Ein Projekt des
Frauenbund Bayern

Ehevertrag

Puh, das Thema Ehevertrag hat uns ganz schön lange beschäftigt! Auf die Schnelle mal eben? Kannst du vergessen – so etwas wie einen Ehevertrag für „Dummies“ gibt’s wohl nicht. Also haben wir uns kopfüber hineingestürzt ins Abenteuer Ehevertrag. Versorgungsausgleich, Zugewinnausgleich, Gütertrennung, Sorgerecht … an alle diese Dinge möchten eigentlich weder mein Zukünftiger noch ich im Moment gerne denken. Aber so problematisch, wie es mir anfangs erschien, war es dann doch nicht. Ich habe zum Glück rechtliche Informationen gefunden, die uns super weitergeholfen haben und die bestimmt auch für dich interessant sind. Warum ein Ehevertrag, wie sollte ein Ehevertrag aussehen, wo den Ehevertrag machen und welcher Ehevertrag ist der Beste – solche und andere Fragen werden darin anschaulich beantwortet. Jetzt haben wir mit unserem Ehevertrag auf Gegenseitigkeit unsere Zukunft aktiv selbst gestaltet, anstatt uns auf die sehr allgemein gehaltenen gesetzlichen Regelungen zu verlassen. Aber mal der Reihe nach das, was ich erfahren habe.

Was bringt ein Ehevertrag?

So wie ich denken viele Frauen, mit der Heiratsurkunde ist doch alles Rechtliche bestens geregelt? Schön wär’s – ist aber nicht so. Nur mit einem Ehevertrag kannst du dich als verheiratete Frau individuell absichern, passend zu Deinem persönlichen Lebensentwurf. Es gibt überhaupt keine Argumente gegen einen Ehevertrag, im Gegenteil. Besonders wichtig ist ein Ehevertrag bei Kindern, vor allem dann, wenn du als Mutter nach der Geburt im Beruf kürzertrittst. Wer erbt ohne Ehevertrag – das ist auch so ein Knackpunkt. Ein vorsorgender Ehevertrag bedeutet darum nicht, dass du schon vor der Hochzeit mit einer Trennung oder Scheidung rechnest. Übrigens kannst du den Ehevertrag auch nach der Hochzeit abschließen und jederzeit ändern! So ist es meist sinnvoll, den Ehevertrag nach einem Hauskauf zu ändern.

Ehevertrag – Gütertrennung, Versorgungsausgleich, Unterhalt…

Wenn du eine Gütergemeinschaft oder Gütertrennung in der Ehe vereinbaren möchtest, musst du das unbedingt vertraglich regeln. Da führt am Ehevertrag kein Weg vorbei, andernfalls lebst du nach deutschem Recht nämlich automatisch in einer Zugewinngemeinschaft. Das heißt, dass dann das im Laufe der Ehe erworbene Hab und Gut im Falle einer Scheidung zur Hälfte Dir und zur Hälfte Deinem zukünftigen Ex-Mann gehört, auch das gemeinsam erworbene Vermögen, falls vorhanden. Was vor der Eheschließung vorhanden ist, bleibt davon unberührt, aber auch spätere Erbschaften und Schenkungen werden dann als Anfangsvermögen betrachtet. In Deinem Ehevertrag kannst du zudem Vereinbarungen zum Ausgleich von Rentenanwartschaftsansprüchen, dem sogenannten Versorgungsausgleich, treffen und den nachehelichen Unterhalt für dich individuell regeln.

Ehevertrag – wie geht das eigentlich genau?

Nun ist es aber nicht so, dass du zu Hause im stillen Kämmerlein einen „Do-it-yourself“-Ehevertrag machen kannst. Welcher Ehevertrag ist der Beste für dich, wie kann ein Ehevertrag aussehen, wie den Ehevertrag aufsetzen und vieles mehr kannst du als Laie einfach nicht beurteilen. Deswegen muss ein Ehevertrag immer notariell beurkundet und beim Notar hinterlegt werden. du kannst dich vorher auch unabhängig oder anwaltlich beraten lassen. Wo eine Beratung zum Ehevertrag angeboten wird, erfährst du bei den Ehe- und Familienberatungsstellen. In der Broschüre „Ehe und Partnerschaft rechtlich begleiten“ findest du hilfreiches Basiswissen – auch zur Gütertrennung im Ehevertrag – und kannst entscheiden, ob du mit Deinem Partner direkt zum Notar gehst oder zuvor doch lieber zusätzlich einen Anwalt um Rat fragst.

Ehevertrag – wie teuer wird das denn wohl?

Tja, jetzt komme ich an einen heiklen Punkt, denn es geht ums liebe Geld: Wie viel kostet das alles und wer zahlt den Ehevertrag? Gute Frage, umsonst ist diese Absicherung nämlich leider nicht zu haben. Da weder ich noch mein Liebster Vermögen oder Eigentum besitzen und uns darum den Anwalt gespart haben, mussten wir nur die Notarkosten bezahlen – und diese Kosten haben wir uns geteilt, da wir beide in unserem Job ungefähr gleich viel verdienen. Für dich wäre vielleicht ein anderes Modell besser? Meine Cousine und ihr Mann haben das zum Beispiel so geregelt, dass er komplett alles übernommen hat, weil sie noch studiert und er mit seinem eigenen Unternehmen ganz gut verdient. Er verfügt auch über einige finanzielle Rücklagen und dementsprechend hat der Vertrag mehr gekostet. Je mehr Vermögen, umso höher die Kosten, das ist die Faustregel. Aber beide wissen, dass das Geld in einen Ehevertrag für Unternehmer gut angelegt ist. Denn im Falle eines Falles können spätere Streitigkeiten ums Geld bedeutend teurer werden!

Ehevertrag – wie lange ist er gültig?

Mein Ehevertrag, der jetzt seit Kurzem beim Notar hinterlegt ist, hat kein Verfallsdatum. Solange wir nichts anderes vereinbaren und festlegen, ist er auch gültig. Aber aus den Augen, aus dem Sinn ist beim Ehevertrag nie gut. Mir wurde empfohlen, ihn bei allen Änderungen mit weitreichenden Auswirkungen zu prüfen und eventuell anzupassen zu lassen. Wir sind beide noch jung, es kann so viel geschehen. Ich kann im Lotto gewinnen, ich kann aber auch krank und pflegebedürftig werden. Oder vielleicht taucht nach der Hochzeit die uralte Erbtante meines Mannes auf, von deren Existenz er nichts ahnte, und er erbt eine Prachtvilla. Mit diesen ganzen Eventualitäten haben wir uns jetzt natürlich nicht beschäftigt, schließlich sind wir noch nicht mal verheiratet! Eins nach dem anderen also.

Ehevertrag – wie sagen wir Frauen es ihnen?

Im Nachhinein weiß ich jedenfalls gar nicht mehr, warum ich mich zuerst so schwergetan habe, über einen Ehevertrag nachzudenken. Hätte meine Oma mich nicht darauf gebracht, wäre das für mich wahrscheinlich gar kein Thema gewesen. Als ich dann mit ihr darüber geredet hatte, gab es noch ein kleines Problem. Ich wusste echt nicht, wie ich den Ehevertrag ansprechen soll. Was, wenn mein Verlobter das missverstehen würde, so nach dem Motto: Wer braucht einen Ehevertrag? Wir doch nicht! Aber er hat super reagiert, ich musste überhaupt keine Überzeugungsarbeit leisten. Im Gegenteil, er hat direkt von sich aus gesagt, dass ein Ehevertrag für Frauen wichtig ist. Er war sogar etwas zerknirscht, nicht selbst daran gedacht zu haben.

Ach ja, er ist und bleibt mein Traummann. Glaub mir, wenn wir nicht schon längst verlobt wären, dann hätte ich spätestens in dem Moment um seine Hand angehalten.